Zahlt nicht zu viel für Schadstoffgutachten!

Max · 21 Feb 2026

tl;dr: Macht lieber einen Test zu viel als einen zu wenig. Eine Risikoeinschätzung anhand des Hausalters kann Sinn machen, wenn ihr alle Infos habt. Kleinere Labore sind bis zu 2/3 günstiger als die typischen Anbieter wie TÜV und DEKRA.

Ich bin jeden Tag dankbar darüber, dass ich in den 2020er Jahren saniere und nicht in der 1980er oder 1990er Jahren. Damals war zwar schon klar, dass Asbest super schädlich ist, aber es war noch nicht in der Breite angekommen. Und daher wurden viele Dächer entsorgt und Estriche entfernt, ohne die dafür notwendige Schutzausrüstung. Tipp von mir, um das Thema aus der Vogelperspektive zu betrachten: https://youtu.be/cMx139eTxoc?si=68ZGOMeuRx2LHFgK.

Mir war also irgendwie klar, dass man sich darum kümmern muss. Also wollte ich großflächig Proben entnehmen und diese analysieren lassen. Man wird jedoch wie überall auch bei diesem Thema von den durchaus hohen Kosten überrascht. Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen den offiziellen akkreditierten Prüfinstituten wie TÜV und kleineren Anbietern für Schadstoffgutachten. Ich wollte zunächst natürlich “the real deal” und bin auf die Seite des TÜV gegangen. Dort kostet eine Probe 232€. Also die Untersuchung von einer einzigen Materialprobe. Das setzt aus meiner Sicht die völlig falschen Anreize für Haussanierer. Weil bei 232€ je Probe überlege ich dreimal, ob ich wirklich noch mal teste. Im schlimmsten Fall habe ich dann genau dort Asbest, wo ich mir den Test gespart habe.

Nach weiterer Recherche habe ich dann festgestellt, dass es kleinere Labore gibt, die sich auf Schadstoffgutachten spezialisiert haben. Und dort sind die Kosten um 2/3 niedriger als bei den offiziellen Instituten. Die Abwägung war dann also: 120% Sicherheitsgefühl durch “TÜV” oder lieber mehr Proben bei kleinerem Labor. Ich habe mich für letzteres entschieden.

Die Kosten sind massiv geringer als beim TÜV, vor allem aber gibt es eine gute Preisgestaltung abhängig vom zu untersuchenden Material. Nicht 232€ fix, sondern je nach Aufwand. Pappe kostet deutlich weniger als Estrich etc. Das ist aus meiner Sicht transparent und fair für den Kunden. Einfach Proben in Plastikbeutel gepackt und abgeschickt. Das Ergebnis war innerhalb von Tagen fertig und kam bequem als umfassender Bericht per Mail.

Warum ich genau diese Dinge untersucht habe und nicht mehr? Das liegt an meiner Haus-Situation. Zwar gibt es Asbest theoretisch schon seit dem späten 19. Jahrhundert, der Boom begann aber erst in den 50er Jahren. Mein Haupthaus ist von 1904, das heißt alle Umfänge, die klar aus diesem Zeitraum stammen, enthalten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Asbest. Es können andere Schadstoffe vorliegen, ich trage aber durchgängig gute Schutzleidung plus Gasmaske, da fühle ich mich also gut geschützt. Warum also überhaupt Asbestgutachten? Am Haupthaus hängt ein Anbau von 1968, also aus der Hochphase der Asbestverwendung in Deutschland. Daher habe ich die Materialien, in denen ein Asbestrisiko besteht, untersuchen lassen:

MaterialSchadstoffLaborPreisErgebnis
Gussasphalt EG und OG (unter Parkett)AsbestCRB101,15€Negativ
PAKsEmpowerDX79,90€Negativ
Estrich EG und OG (auf Holzbalkendecke bzw. Gewölbedecke)AsbestCRB101,15€Negativ
Pappe faserig unter GussasphaltAsbestCRB73,78€Negativ
Summe355,98€

Weitere Kandidaten wären noch Fliesenkleber oder auch Kleber unter Fensterbänken gewesen, das hatte aber der Verkäufer des Hauses selbst gemacht und konnte mir bestätigen, dass keine asbesthaltigen Materialien verwendet wurden. Verkäufer heißt in diesem Fall ein Freund der Familie, sonst hätte ich mich vermutlich nicht darauf verlassen.

Den Gussasphalt habe ich zusätzlich auf schädliche PAKs untersuchen lassen, da ich davon in meiner Internetrecherche gelesen hatte. Alle Ergebnisse waren zum Glück negativ, sodass ich mit Vollgas starten konnte. Aber natürlich trotzdem mit Gasmaske und Schutzbrille.