Entsorgung: "Das krieg ich schon alleine hin"

Max · 22 Feb 2026

tl;dr: Entsorgung bei Abbruch-Eigenleistung ist komplizierter als man denkt. Durch Abwägung zwischen Zeit, Komfort und Kosten kann man viel Geld sparen. Informiert euch vorher unbedingt zu euren lokalen Gegebenheiten und rechnet genau aus, wie viele Mengen entstehen werden.

In diesem Artikel soll es um Eigenleistung gehen, genauer gesagt um Abbruch und Entsorgung. Warum? Das will vermutlich jeder Eigensanierer selbst erledigen und geht mit einem guten Stück Naivität an die Sache ran. Später merkt man dann, dass sowohl die benötigte Zeit als auch die Kosten durch die Decke gehen.

So auch bei mir, am Anfang war ich noch total selbstbewusst: "Das reiße ich alles selbst raus und bringe es dann zur Deponie. Dann kostet das nichts (oder nur ein paar Euro)". Aber nach etlichen Telefonaten und Internetrecherchen und der Realität mit einem kleinen Sohn zu Hause lief es dann doch ein bisschen anders.

Bevor wir hier über Entsorgung reden, zunächst super wichtig: Schadstoffe. Dazu habe ich einen separaten Blogartikel geschrieben, lest euch den bitte durch bevor ihr anfangt (sofern ihr euch noch nicht mit dem Thema befasst habt). Kleiner Teaser: Hätte ich nicht noch mal nachgeschaut, hätte ich 800€ mehr bezahlt. Link: /blog/article3.

Hier ein paar Basics. Wer nicht mehr ganz am Anfang steht, einfach überspringen. Es gibt drei Möglichkeiten, wie ich Dinge aus meinem Haus loswerde, die ich nicht mehr haben möchte. Selbst entsorgen in Müll/Deponie, Container stellen oder Profis beauftragen. An dieser Stelle gehen wir nur auf die ersten beiden ein, zum Thema Profis kommt noch ein separater Artikel. Wofür ihr euch entscheidet, hängt am Ende von vielen Faktoren ab und ist sehr individuell.

Meine Empfehlung für unterschiedliche Müllarten. Wichtiger Hinweis: Alle diese Dinge können je nach Region und Anbieter abweichen, informiert euch daher unbedingt vorher noch mal!

  1. Bauschutt

    Kommt vermutlich am häufigsten vor, auch in großen Mengen. Bei mir ca. 8 m³, für die ich mich selbst um die Entsorgung gekümmert habe.

    • Container stellen lassen (ca. 100-150 €/m³). Selbst wegbringen ist zwar teils umsonst für kleine Mengen und selbst bei größeren Mengen eher um die 30 €/m³, aber unterschätzt das Gewicht nicht. In einen normalen Anhänger könnt ihr von schwerem Bauschutt nur ein paar Schaufeln laden, je nach Distanz braucht ihr dann viele Fahrten. Nebeneffekt: Direkt beim Abbruch habt ihr ein Erfolgserlebnis, weil der Kram schon "weg" ist.
    • Fragt genau nach, was rein darf, das handhabt jede Deponie anders! Bei mir durfte rein: Ziegel, Erde, Steine, Fliesen, Keramik, Perlit-Schüttung. Was ich aussortieren musste: Gussasphalt-Estrich, Holz, Lehm, Stroh.
  2. Lehm/Stroh

    Hat mir die größten Kopfschmerzen bereitet. Unter den Holzbalken waren Latten genagelt und dazwischen ein Lehmputz mit Stroh. Das durfte nicht in den Bauschutt-Container, da wohl Lehm keine offizielle Abfallnummer hat. Einfach ein bisschen eingepackt und zur lokalen Deponie gefahren. Die waren entspannter und meinten, kleine Mengen können zum Bauschutt.

    • Fragt nach, ob es bei euch in den Bauschutt-Container darf. Sonst ist wegfahren eine Option, da Lehm deutlich leichter ist als klassischer Bauschutt.
    • Alternativ könnt ihr auch einen lokalen Bauern fragen, Lehm ist ein beliebtes Material in der Landwirtschaft. Dafür darf er aber nicht verunreinigt sein.
    • Noch eine Alternative: Lehm kann wiederverwendet werden, also ggf. wieder als Schüttung in die Decke einbauen.
  3. Mineralwolle

    Hier sind die Anreize für die Entsorgung ähnlich katastrophal wie beim Thema Asbestgutachten. Es ist unglaublich teuer, Mineralwolle auf offiziellem Wege zu entsorgen.

    • Bei Mineralwolle kommt es auf den Zeitpunkt des Verkaufs an (meist ähnlich zum Verbau). Ab Juli 2000 dürfen in Deutschland nur noch "unschädliche" Mineralfasern verkauft werden, zwischen 1996 und 2000 gab es eine Umstellungsphase. Wenn ihr absolut sicher seid, dass die Mineralwolle nach Juli 2000 gekauft wurde, könnt ihr damit etwas entspannter umgehen. Für die Entsorgung hilft das allerdings nicht.
    • Möglichst wiederverwenden, wenn es geht. Auf keinen Fall in der Umwelt entsorgen!
    • Kann in Big-Bags (meist 1 m³) bei der Deponie abgegeben werden, Kosten um die 200-250 €/m³. Man kann die Wolle ein bisschen stopfen, aber es kommen vermutlich mehrere Big-Bags zusammen.
  4. Holz

    Kommt vermutlich auch bei jedem in irgendeiner Form vor. Hier gibt es sehr viele unterschiedliche Herangehensweisen.

    • Grundsätzlich gibt es "unproblematisches" Holz der Kategorien I-III und "belastetes Holz" der Kategorie IV. Das meiste, was ihr finden werdet, ist I-III und kann in einem Container (nur Holz oder Müll gemischt) entsorgt werden.
    • Es bietet sich an, Holz selbst zur Deponie zu fahren, da es relativ leicht ist und oft geringe Mengen kostenfrei abgegeben werden dürfen.
    • Alternativ könnt ihr unbehandeltes Holz im Kamin oder Ofen verbrennen oder es Freunden und Bekannten anbieten.
    • Noch besser: Fragt bei lokalen Schreinereien nach, ob diese Holzreste brauchen. Ich habe Holzabfälle von Nägeln und Schrauben befreit und zu einer Schreinerei gefahren, die haben es dann verbrannt.
  5. Gips

    Kommt vor allem in Trockenbau vor, aber auch in manchen Steinen wie YTONG. Gips muss immer irgendwie separat entsorgt werden und ist ein Kopfschmerz-Kandidat beim Abbruch.

    • Ich habe mehrere Müll-Container bestellt, in denen durfte ich Gips neben anderen Müllsorten (wie Holz, Plastik, Metall) gemischt entsorgen. Das ist etwas teurer, aber es spart unglaublich viel Zeit, da ihr Dinge nicht voneinander lösen müsst.
    • Alternativ besorgt euch einen separaten Container für gipshaltige Materialien, da kann dann auch YTONG rein.
    • Falls ihr Gips selbst entsorgen wollt, fragt unbedingt vorher bei der Deponie nach, ob das auch angenommen wird.

Genereller Tipp: Macht vor Beginn der Arbeiten eine Analyse von dem Material, das anfällt. Schaut euch Volumen und Mengen genau an und vermeidet Daumenschätzungen. Für Estrich könnt ihr zum Beispiel die Stärke mal der Quadratmeterzahl nehmen, um das Volumen herzuleiten. Aber: Rechnet dort immer einen Faktor mit drauf, vor allem bei brüchigem Material. Faktor 1,5 reicht meist, wenn ihr ganz sicher sein wollt, nehmt Faktor 2.

Beispielrechnung bei 20 m² Estrich mit 8 mm Stärke:

  • Volumen = 20 m² x 0,008 m = 0,16 m³
  • Mit Faktor 1,5 brauchen wir also 0,24 m³, um diesen Estrich zu entsorgen

Warum ihr Mengen vorher so genau berechnen solltet: Die Preise für die Entsorgung fallen meist drastisch mit den Mengen, zum Beispiel bei Containern. Wenn ihr mehrmals kleinere Container bestellt, kostet das viel mehr als ein großer. Hier mal die Aufstellung von meinem Containerdienst.

Kosten pro cbm bei meinem Containerdienst
Festpreise inkl. MwSt.
Größere Container senken den cbm-Preis
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